Unser Geld, Prof. Dr. Hans-J. Stadermann, Berlin
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Kreditexpansion mit zweitrangigen Sicherheiten

Blaue Briefe nach Athen

Zins und Risiko steigen und fallen proportional. Das galt bis vor wenigen Jahren ganz allgemein. Inzwischen haben Großbanken sich Marktformen gestaltet, innerhalb derer es ihnen möglich ist, risikolos ihren Kredit in den hohen Zins bietenden Bereich untersicherter Forderungen dadurch zu expandieren, dass sie die damit unverändert verbundenen extremen Risiken auf die Allgemeinheit der Steuerzahler überwälzen. Die 2010 aus heiterem Himmel ausgebrochene Schuldenkrise Griechenlands ist der in der jüngeren Vergangenheit erste Fall, in dem eine Untersicherungsstrategie nach allen Regeln der Kunst der Ausplünderung öffentlicher Kassen auf eine ganze Volkswirtschaft angewendet wurde. Das war insofern ein Sonderfall, als er die Existenz einer Haftungsgemeinschaft der Eurozonenländer zur Voraussetzung hatte. Die 2007 ausgebrochene Untersicherungs-Krise im Immobilienmarkt der Vereinigten Staaten von Amerika war der Probelauf hierfür und zeigt das gewöhnliche, gegen Untergliederungen einer Volkswirtschaft gerichtete Vorgehen bei der Durchsetzung der Strategie im nationalen Rahmen.

Wenn die Nominalverbindlichkeiten, mit denen sich eine Regierung zum Marktzins verschulden will, von potentiellen Gläubigern als durch zeitgleich mit den Tilgungsfristen bestehenden Steuerforderungen gut gesichert angenommen werden, werden sie am Markt zu den dort üblichen Bedingungen und zum Parikurs absetzbar sein. Findet so ein Verschuldungsangebot keine ausreichende Nachfrage, wird diese Anforderung nach der Auffassung der Gläubiger nicht erfüllt. Je nach der Lage ist der Marktwert der Schuldtitel geringer als ihr Nennwert oder sie sind einfach im extremen Fall Papier und wegen der Unfähigkeit der Regierung, sich für den Kapitaldienst ausreichende Einnahmen zu verschaffen, mit Null zu bewerten. Zwingt die Regierung derartige Titel der Zentralbank als Ankäufe auf ihre eigene Rechnung offen, oder wie es meist geschieht, durch einen Umweg verschleiert in deren Portfolio, dann bleibt zwar nominal ihre Bilanz im Gleichgewicht, tatsächlich aber ist der Marktpreis ihrer Aktiva um das Volumen dieses Bestandes geringer als der Nominalwert ihrer durch Banknotenumlauf und Guthaben der Geschäftspartner aggregierten Passiva.

Die unmittelbare Folge davon wird an einem aufmerksamen Markt eine entsprechende Änderung des Wechselkurses und der Kurse der Realvermögenswerte im Aktienmarkt sein. Das bedeutet für die Inländer eine Realeinkommenssenkung, da sie mehr Güter exportieren müssen, um die gleiche Menge Importe zu erhalten. Es bedeutet aber auch einen Verlust an Arbeitsplätzen, weil eine Investition in Beschäftigung schaffende Produktionen im Verhältnis zu den sehr kurzfristigen, Einkommen nur umverteilenden reinen Finanzinvestitionen in den Sekundärmarkt an Attraktivität weiter verliert. Kapital wird aus der Produktion abgezogen, wobei sogenannte Finanzinvestoren den Eigenkapitalhaltern die Hilfe zum Ausschlachten der der bestehende Vermögenswerte von Beschäftigung und Einkommen sichernden Unternehmen leisten.

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