Unser Geld, Prof. Dr. Hans-J. Stadermann, Berlin
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Unser Geld
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Beschäftigung und Einkommen

Auszug aus: Viele Retter sind des Euros Tod, Manuskript, Berlin 2014, S.348 f.

Vorläufige Fassung. Nicht oder nur nach Rücksprache zum Zitieren

Die Kolporteure der neoklassischen Freiheit gaukeln dem Publikum vor, durch die „Entfesselung“ der produktiven Kräfte, geschähe etwas dem Nutzen der Allgemeinheit Dienendes. Sie verwechseln dabei in ihren Rechtfertigungen Beschäftigung mit Wohlstand. Sie glauben aus diesem Grund, wer das Fallen von Löhnen durch ein Kartell von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften verhindere, hindere Anbieter, die bereit wären, zum unter dem aktuellen Satz liegenden „Vollbeschäftigungslohn“ zu arbeiten, daran, an der Wohlfahrt der Gesellschaft teilzuhaben. Wo dagegen dieses Arbeitsmarktkartell gebrochen ist, feiern sie das, was als Überbeschäftigung auf Seite 60 [im Manuskript „Viele Retter sind des Euros Tod“] kritisiert wurde, als Erfolg der Wirtschaftspolitik. Dies der Tatsache zum Trotz, dass die Zahl der Erwerbspersonen steigt, ohne einen Sockel an Langzeitarbeitslosen zu beseitigen. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit war im Jun 2013 fast jeder Dritte unter den 2,84 Millionen Arbeitslosen seit mehr als vier Jahren ohne Unterbrechung Bezieher von Leistungen aus dem Hartz-IV- System. (Hartz IV ist für die meisten Dauerzustand, 2013 S. 13)

100 "deutsche" Mark made in USA (1948)

Es handelt sich bei der neoklassischen Analyse des Arbeitsmarktes.um ein grundlegendes Missverständnis der Funktionsbedingungen einer Geldwirtschaft  Das Missverständnis besteht darin, nicht zu sehen, dass Wirtschaften unter geldwirtschaftlichen Bedingungen alternativlos Knapphalten von Produktionsprozessen zur Sicherung von Renten, Zins und Profit erfordert. Die Knappheit der Produktionsprozesse aber bedeutet, zur Sicherung dieser Überschusseinkommen das am Ressourcenmarkt verfügbare Angebot von Arbeitsleistungen nicht voll auszuschöpfen, also überschüssig im Verhältnis zur Nachfrage zu halten. Es gibt unter diesen Umständen kein Vollbeschäftigungslohnniveau. Der Lohn mag fallen, so tief wie unsere Vorstellungen von Moral dies zulassen, würde das Angebot zu diesem Lohn vollbeschäftigt, fiel auch – ganz unbeschadet des erbärmlichen Lohnes – das Einkommen aus Zinsen und Profiten auf den Nullwert. Erst die Beschränkung der Nachfrage nach Arbeitskräften durch nach den Vorstellungen von Eigentümern refinanzierungsfähiger Vermögenswerte knapphaltbares Geld lässt auch in gut funktionierenden Geldwirtschaften Gewinn und Zins sprudeln, und zwar mit Steigerungen, die mit denen der steigenden Überschüssigkeit der Arbeitskraft positiv verknüpft sind.

Dies nicht zu verstehen, ist die Tragik der Schulökonomik. Aus der vermuteten Produktionsbeschränkung durch die in der Verfügungsgewalt der Gesamtheit der Haushalte befindlichen Ressourcen ergibt sich ihr Allgemeines Gleichgewicht. Beschränken nicht die Ressourcen die Produktion, sondern wird ihr Einsatz durch knappes Geld der Eigentümer refinanzierungsfähiger Vermögenswerte beschränkt, gibt es kein so erfreuliches Gleichgewicht allein aus den Marktvorgängen. Das Profitstreben ist gerade so unendlich, wie die Ressourcenbestände in den Haushalten endlich sind. Daher gibt es in einer deregulierten Wirtschaft kein Vollbeschäftigungsgleichgewicht, sondern das Nullbeschäftigungsgleichgewicht. Es bildet sich bei einem gegen Unendlich steigenden Profit bei gegen Null fallendem Beschäftigungsvolumen (w x N). Jedes positive Beschäftigungsvolumen ist Folge einer Regulierung, die die Vermögenseigentümer zwingt, Beschäftigung zu einem Profit kleiner als unendlich anzubieten.

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